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Systemische Parodontologie 

Zahnfleischerkrankung

In der Mundhöhle tummeln sich etwa 100 Milliarden Keime - rund vierzehn mal so viele Kleinstlebewesen, wie es Menschen auf der ganzen Welt gibt. Unter diesen Bakterien und Keimen im Mund gibt es sowohl friedliche Vertreter, als auch solche, die aggressiv sind und den Kampf suchen. Folglich hat jeder Mensch mit täglichen Attacken auf das Zahnfleisch zu kämpfen.

Wenn nun das körpereigene Abwehrsystem nicht optimal funktioniert (beispielsweise bei anhaltendem Stress oder bei Mangelerscheinungen), machen sich die schadhaften Bakterien an den empfindlichen Stellen des Zahnfleisches zu schaffen, und graben dort den Knochen an, der den Zahn verankert. Die Folge sind Zahnfleischprobleme, welche ein verhältnismäßig häufig auftretendes Leiden darstellen. 

Klinische Studien zeigen, dass diese Infektionen und Erkrankungen des Zahnfleisches ein hohes Risiko für die Entwicklung von vielen Krankheiten sind. 

Mikrobiologische Test/ Antibiogramm

Die Erhebung des parodontalen Screening-Indexes (PSI) und das Röntgen sind bewährte diagnostische Verfahren zur Erkennung von Zahnfleischproblemen in der Parodontologie. Allerdings dokumentieren beide erst nachträglich, und somit zu spät den eingetretenen Weich- und Hartgewebeabbau im Mundraum. Mit dem quantitativen Nachweis der aktiven Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) in Sulkusflüssigkeit steht jetzt ein neuer innovativer Test zur Diagnose einer parodontalen bzw. periimplantären Gewebedestruktion zur Verfügung. 

Mit der Erstellung eines Antibiogrammes wird die Wirksamkeit von Antibiotika gegen die gefundenen Erreger geprüft. Dadurch werden gezielt – ohne „Übertherapie“ – vorliegende Infektionen gezielt bekämpft, wenn andere Therapien nicht greifen.

Zahnfleisch und Psyche

Der Einfluss psychischer Faktoren auf Zahnfleischprobleme

Bei der Bewertung einer aggressiven Parodontitis sind auch psychosoziale Faktoren eines Patienten kritisch zu hinterfragen. Bei Therapiekonzepten zur Behandlung aggressiver Zahnfleischprobleme erscheint es folglich sinnvoll, auch psychische und psychosoziale Besonderheiten zu berücksichtigen, um längerfristige Therapieerfolge erzielen zu können.

Zwei Studien beleuchten den Einfluss von psychischen Faktoren - hier Depression und Stress - auf das Parodont.

SALETU ETAL erachten eine depressive Stimmung als einen relevanten pathogenen Faktor der Parodontitis. In einer psychometrischen Untersuchung (verschiedene Indizes, erhoben durch Beobachter und Selbstauskünfte) an 40 Patienten fanden sie eine Korrelation zwischen der Schwere der Zahnfleischprobleme und dem Depressions- bzw. Ängstlichkeitsindex.

Auch die Ergebnisse einer Studie an der Universität Mainz legen den Schluss nahe, dass Stressfaktoren und kritische Lebensereignisse einen ungünstigen Einfluss auf den Verlauf marginaler Parodontitiden ausüben können. 150 Patienten mit einer aggressiven Parodontitis und 153 parodontal gesunde Kontrollpersonen vergleichbaren Alters sowie Geschlechts wurden zahnärztlich untersucht und mit Hilfe eines speziellen Fragebogens über kritische Lebensereignisse befragt. Der Vergleich zwischen den Patientengruppen zeigte hinsichtlich kritischer Lebensbereiche zum Teil statistisch signifikante Unterschiede.